Jetzt koennte ich ja eigentlich die naechste Tamil Stunde einfuegen, aber die hat noch nicht wirklich stattgefunden. Vielleicht einfach nur soviel: shakthi heisst Maedchen und Illam heisst soviel wie Kinderheim oder Waisenhaus. Shakthi Illam ist also ein Kinderheim mit 56 Maedchen. Als ich das gehoert hab, hab ich schon Albtraeume vor der Einweihung gehobt!?
Das Kinderheim liegt in der Naehe von Batticaloa, der groessten Stadt an der Ostkueste Sri Lankas. Die Stadt ist - wie fast alle Staedte – von der Armee kontrolliert, das Kinderheim liegt mal wieder in Rebellengebiet. 
Thavaraja, ein Tamile hat es fuer uns gebaut. Er war auch gleichzeitig die erste Vertrauensperson, die ich hier gefunden habe. Er hat sich letztes Jahr in eine Schweizer Volunteerin verliebt und ist seit dem total auf unserer sprich Schweizer Seite. Hier ist er gerade die neuen Betten am probeliegen.
Als Vertrauensperson war er dringend notwendig, denn Batti ist ein wirklich heisses Pflasten. Nicht nur das hier die Rebellen und die Armee immer wieder an einander geraten. Es gibt auch eine Abspaltung einer radikalen Rebellengruppe (Tamilen aus dem Osten), die die anderen (die Tamilen aus dem Norden) bekaempfen. Da unsere Organisation ziemlich nahe bei den Tamilen aus dem Norden gesehen wird, musste ich hier meinen Mund halten und unter einer Schweizer pro-forma Stiftung auftreten. 
Dennoch war die Eroeffnung des Kinderheimes ein Ereignis – nicht alles positiv, aber das gehoert wohl dazu. Als ich ankam erwarteten mich schon alle. Die Maedchen waren schon den ganzen Tag mit beten und Einweihen und Eroeffnen beschaefftig. In der Eingangshalle sassen sie alle in Reih und Glied und beteten mit dem obersten HIndu der Gegend fuer eine gute Zukunft.
Der offizielle Teil begann dann mit dem Einmarsch der "Ehrengaeste" – ich als vertreter der Stifter natuerlich vorne weg, mit blumenkraenzen fast wie auf Hawaii.
Danach folgte das obligatorische Flaggenhissen. Diesmal war das aber doch etwas anders. Es waren die acht ranghoechsten Generaele der Tamil Tigers anwesend. Das hiess, dass die Nationalhymne (der Tigers natuerlich) aus einem scheppernden Radio abgespielt wurde und alle eine recht
schraege Handbewegung dazu machten. Ich durfte mich natuerlich vorher schon mal mit Ihnen eine halbe Stunde lang unterhalten. Ist noch schwierig. Ich mag einfach keine Uniformen, egal von welcher Seite.
Trotzdem kam ich dann am Ende nicht drumherum, mit dem Special Commander Colonell Bamu zusammen das Band an der Eingangstuer zu durchschneiden.
Noch viel absurder wurde es dann aber, als die Commander begannen, Schokolade an die Kinder zu verteilen. Ob der doch etwas billigen Propaganda musste ich ein wenig schmunzeln.
Man muss das allerdings alles ein bisschen relativieren. Entwicklungsprojekte werden immer zu Propagandazwecken benutzt, auf der einen wie auf der anderen Seite. Und in Sri Lanka ist es sicher so, dass es nicht eindeutig "Gute" und "Boese" gibt. Klar waere es mir lieber gewesen, wir haetten eine Eroeffnung ohne Uniformen gehabt.
Aber eben. Am Ende zaehlt das, was geschaffen wurde, und das ist ein anstaendiges Kinderheim fuer 56 Maedchen. Dafuer zu sorgen, dass aus ihnen keine Kindersoldaten werden, sehe ich im uebrigen als die weitaus schwierigere Aufgabe fuer die Zukunft an. Aber das gilt fuer alle Kinderheime.
Wednesday, April 5, 2006 at 9:14 am |
sehr spannende berichte. wirklich eine gute sache, was du dort tust und was du hier schreibst!